10. Februar 2020

"Der Zug fällt aus" - Tragik oder Komödie?

Letzte Woche stand ich am Bahnhof und schaute mit vielen anderen Menschen erstaunt auf die Anzeige: "Zug fällt aus". Die Reaktionen der Menschen konnten unterschiedlicher nicht sein. Sie reichten von einem Schulterzucken über Schimpfen ("Das ist immer das Gleiche mit der Bahn") bis zum Anbrüllen der Schaffner, die zufällig den Weg kreuzen.

Da habe ich mich gefragt: Wieso reagieren Menschen auf Ereignisse so unterschiedlich? Während die einen wütend sind, erkennen andere noch Vorteile in der misslichen Lage. Während die einen resignieren, machen andere sofort neue Pläne?

Rational oder emotional?

Wir neigen dazu, unser Verhalten rationalen Entscheidungen zuzuschreiben. Wir werden aber mehr von unserem Unterbewusstsein und damit unseren Gefühlen, Einstellungen, Werten und Überzeugungen gesteuert als uns lieb ist. Wenn der Zug ausfällt, habe ich rational betrachtet die Wahl unter verschiedenen Alternativen: meinen Termin absagen oder verschieben, einen anderen Zug oder einen Mietwagen nehmen. Emotional betrachtet sieht das anders aus. Die einen zeigen auffällige Stresssymptome wie Schweißausbrüche, roter Kopf, hohe Atemfrequenz und andere bleiben völlig ruhig, zumindest äußerlich. Dabei sind es selten allein die Umstände, die solche emotionalen Reaktionen auslösen - auch wenn es sicherlich ein Unterschied ist, ob ich zu meiner Tante zum Kaffeeplausch fahre oder einen wichtigen Termin wahrnehmen muss.

Was ist das überhaupt: Stress?

Stress wurde vom Stressforscher Hans Selye als "unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung" definiert. Im Prinzip ist Stress eine Anpassungsreaktion des Körpers auf äußere Herausforderungen und kann eine Kaskade körperlicher Stressreaktionen auslösen. Das autonome Nervensystem wird hochgefahren, es kommt zur Produktion von Stresshormonen. Akuter Stress, der schnell wieder endet und bei dem sich der Körper wieder beruhigt, kann sogar einen belohnenden Effekt haben. Auf Dauerstress ist unser Körper jedoch nicht eingerichtet und es kann zu weitreichenden Folgen auf die Gehirnstruktur, den Körper und die Gesundheit kommen.   

Dann will ich mich jetzt weniger stressen!

Super, klasse Entscheidung. Aber funktioniert das? Ob mich eine Situation stresst oder nicht, hängt im Wesentlichen von meiner Bewertung und den gemachten Erfahrungen ab - und da läuft vieles unterbewusst ab. Habe ich schon mal erlebt, dass ein Zugausfall auch dazu führen kann, dass ich schneller ans Ziel komme, wird mein Stresspegel eher niedrig sein. Habe ich andere Erfahrungen gemacht oder ist die Situation für mich völlig neu, wird der Stresspegel steigen.

Aber wie komme ich zu einer anderen Bewertung?

Ich könnte mir zunächst bewusst machen, was mit mir in einer solchen Situation passiert. Welche Gedanken habe ich, wenn auf der Bahnhofstafel der Text erscheint, dass der Zug ausfällt. Was fühle ich genau? Bin ich wütend, verzweifelt, ängstlich? Wie reagiert mein Körper darauf? Wie genau verhalte ich mich in dieser Situation? Es ist wichtig, diese Fragen für sich genau zu beantworten und sich am besten sogar aufzuschreiben. Denn nur so bringe ich ein Muster an die Oberfläche und habe die Chance, beim nächsten Mal anders zu reagieren. In dem Moment, in dem ich wahrnehme, was da gerade passiert, kann ich entscheiden, anders zu denken, zu fühlen, zu reagieren oder mich anders zu verhalten.

Der Flamme der Erregung die Luft entziehen

Wenn ich den Reiz wahrnehme, habe ich die Chance, den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu nutzen. Nur so kann ich die Situation neu bewerten. Bei stressigen Situationen hilft es, innerlich Stopp zu sagen, ganz bewusst tief ein- und auszuatmen und dann kurz darüber nachdenken, welche Handlungsoptionen ich jetzt habe und wie ich reagieren will. Wenn wir unseren Gefühlen die automatischen, negativen Gedanken entziehen, werden sie sich beruhigen. Wenn sich die Gefühle beruhigen, werden sich auch Körper und Geist beruhigen. Das ist wie einer Flamme, der man die Luft entzieht. Erst dann haben wir die Möglichkeit, uns anders zu verhalten.

Und wie werde ich gelassener?

Ein Weg zu mehr Gelassenheit ist Achtsamkeit: Aufmerksam sein und akzeptieren, was ist. Loslassen, was nicht ist. Offen sein für Neues. Darauf vertrauen, dass alles gut wird. Geduld üben und nicht urteilen und werten. Den Geist des Anfängers bewahren. Eine achtsame innere Haltung hilft uns, die Komplexität und Unsicherheit unserer Welt zu akzeptieren und konstruktiv damit umzugehen. Sie unterstützt einen flexibleren Umgang mit neuen Herausforderungen, weil sich neue Handlungsmöglichkeiten erst eröffnen, wenn automatische, reflexive Denk- und Handlungsmuster erkannt und unterbrochen werden.

Auch Lachen hilft...

Ich stelle mir gerade vor, ich stehe am Bahnhof und der Zug fällt aus. Ich merke, wie die Wut in mir aufsteigt: "Nicht schon wieder!" Ich atme drei Mal tief ein und aus, öffne meine Bahn-App, schaue nach einer anderen Verbindung und gehe in Ruhe einen Kaffee trinken. Dabei lerne ich nette Menschen kennen und wir tauschen Geschichten über unsere Erlebnisse mit der Bahn aus. Ich erzähle, dass wir vier Wochen durch Südamerika gereist sind, alle Bahn-, Bus- und Flugverbindungen super geklappt haben - und dann standen wir bei der Heimreise 40 Minuten in Böblingen und warteten auf die Bereitstellung des Zugs. Wir lachen herzlich darüber.

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